Menü

Knieschmerzen – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Wenn Schmerzen im Knie auftreten, ist das fast immer ein Warnhinweis.

Knieschmerzen

Klingen die Knieschmerzen nach einem Tag nicht ab, sollte ein Arzt überprüfen, welche Ursache vorliegen könnte. Der Hausarzt oder ein Orthopäde untersuchen das Knie ausführlich und erfassen die beim Patienten auftretenden Symptome. Je nach Lokalisation und Art der Knieschmerzen liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde. Bei der Diagnose ist für den Arzt insbesondere von Bedeutung, an welcher Stelle der Knieschmerz verspürt wird. Davon lässt sich ableiten, welche Strukturen des Knies betroffen sein könnten.

Knieschmerzen – vorne, innen oder außen?

Ein vorderer Knieschmerz spricht meist dafür, dass die Kniescheibe betroffen ist. In der Fachsprache wird die Kniescheibe auch als Patella bezeichnet. Sie liegt vor dem Kniegelenk und dient ihm als zusätzlicher Schutz. Wenn die Kniescheibe verformt ist oder nicht richtig im Gelenk läuft, spricht man von einer Patella-Dysplasie, bei der unangenehme Schmerzen entstehen können. Aber nicht immer verursacht die asymmetrische Form der Kniescheibe Schmerzen. Aufgrund einer durch Belastung hervorgerufenen Dysplasie kann die Patella im Verlauf des Lebens verstärkt abgenutzt werden. In der Folge entsteht eine Arthrose. Spätestens in diesem Stadium verspürt die betroffene Person Knieschmerzen im vorderen Bereich. Auch bei einer Patella-Luxation, wenn die Kniescheibe aus dem Gelenk springt, können die Knieschmerzen im vorderen Bereich lokalisiert sein. Zudem ist es möglich, dass muskuläre Dysbalancen zu einer Fehlstellung der Kniescheibe führen. Des Weiteren können unpassende Laufschuhe eine Fehlbelastung der Knie hervorrufen.

Klagen Patienten über Schmerzen an der Knie-Innenseite oder -Außenseite, beruht das häufig auf einer Fehlstellung der Füße oder einer O-Bein- bzw. X-Beinstellung. Diese Problematik wird meist durch unpassende Schuhe verstärkt, wodurch das Knie übermäßig belastet wird und schmerzt. Langfristig kann eine Fehlstellung der Füße oder Beine eine Arthrose verursachen. Neben der Fehlstellung kann auch ein Schaden am Innenmeniskus oder Außenmeniskus die Knieschmerzen auslösen. Das Kniegelenk hat zwei Menisken. Sie vergrößern die Kontaktfläche zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein und gleichen Inkongruenzen zwischen ihnen aus. Der Meniskus ist ein C-förmiger Gelenkkörper des Knies und besteht aus Knorpel. Durch Unfälle kann der Innenmeniskus bzw. Außenmeniskus geschädigt werden, sodass es zu Knieschmerzen kommt. Chronische Schmerzen des Meniskus können durch Abnutzung entstehen. Bei einem Unfall kann auch das Innenband oder Außenband reißen, was ebenso Schmerzen an den Seiten des Knies verursacht.

Knieschmerzen unter Belastung oder bei Erkrankungen

Häufig treten Knieschmerzen auch beim Treppensteigen oder Abwärtsgehen auf. Für Schmerzen beim Treppensteigen können eine Kniearthrose der Patella oder eine Zerrung bzw. ein Riss des hinteren Kreuzbandes verantwortlich sein. Ist das vordere Kreuzband beschädigt, verspürt der Betroffene eher Schmerzen beim Abwärtsgehen, weil der vergrößerte Bewegungsspielraum zu einer Verschiebung im Kniegelenk führt. Diese Knieschmerzen werden vor allem unter Belastung wahrgenommen, ebenso wie Schmerzen im Zusammenhang mit einer Schleimbeutelentzündung. Die Schleimbeutel dienen zunächst als Schutz bei intensiven Beanspruchungen des Kniegelenks. Unter Umständen können besonders starke Belastungen jedoch zu einer Schleimbeutelentzündung führen, die mit Knieschmerzen verbunden ist.

Läufer erleben häufig, dass sie zu Beginn des Trainings oder nach einer langen Trainingspause Schmerzen im Knie verspüren. Diese Knieschmerzen sind nicht unbedenklich. Treten sie über einen längeren Zeitraum auf, leidet der Sportler möglicherweise an einem Läuferknie, auch iliotibiales Bandsyndrom (ITBS) genannt. Dabei reibt der Tractus iliotibialis, der Faszienstreifen auf der Innenseite des Knies, an der Gelenksvorwölbung. Begünstigt wird dieser Reizzustand z. B. durch eine extreme Eindrehung des Knies, eine Schwäche der Hüfte oder auch durch O-Beine. Gerade bei längeren Strecken oder Bergläufen löst diese Reibung Knieschmerzen aus. Diagnostiziert der Arzt ein Läuferknie, muss eine Trainingspause eingelegt werden.

Durch einen Schlag oder eine Verdrillung entstehen nicht nur Knieschmerzen, sondern auch Schwellungen. Zudem sind Schwellungen typische Symptome bei Entzündungen, z. B. aufgrund von Rheuma oder einer Arthritis, bei Bänderrissen oder einem Meniskusschaden. Rheuma ist eine entzündliche Erkrankung, die auch im Knie für Entzündungen sorgen kann. Im Kniegelenk werden dann knöcherne und knorpelige Bestandteile abgestoßen, wodurch die Nerven gereizt werden und Schmerzen entstehen. Auch Gicht kann für unangenehme Knieschmerzen sorgen, wenn sich die Ansammlung von Harnsäurekristallen auf das Kniegelenk konzentriert. Schleimbeutel, Sehnen, die Haut, der Ohrknorpel oder auch andere Gelenke können von der Gicht betroffen sein. Bei der Pseudogicht werden die Schmerzen durch Ablagerungen von Kalziumkristallen am Gelenk verursacht.

Auch in der Kniekehle können unangenehme Knieschmerzen auftreten, für die neben der Kniearthrose auch eine Reizung des Hinterhorns am Meniskus verantwortlich sein kann. Chronische Schmerzen in der Kniekehle können durch eine sogenannte Baker-Zyste (Poplitealzyste) ausgelöst werden.

Arthrose – häufigster Grund für Knieschmerzen

Durch Belastung, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum und altersbedingten Verschleiß werden die Knie einem besonderen Risiko ausgesetzt: Der Knorpel nimmt zunächst Schaden und beginnt im späteren Verlauf, sich selbst abzubauen. Es wird weniger bis keine Gelenkflüssigkeit produziert und die Knorpelschicht verschwindet, bis die Knochen im Kniegelenk direkt aufeinanderreiben. Daraus resultieren sehr starke Knieschmerzen und das betroffene Kniegelenk versteift nach und nach. Ärzte diagnostizieren in solchen Fällen eine Arthrose, die oft mit der ähnlich klingenden Arthritis verwechselt wird. Bei der Arthritis ist nicht der Gelenkverschleiß die primäre Ursache für die Knieschmerzen, sondern eine Entzündung des Gelenks. Jedoch kann eine Arthrose zu einer Arthritis beitragen. Häufiger liegen den Gelenkentzündungen Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen zugrunde.

Einer Kniearthrose bzw. einer Arthrose im Allgemeinen kann durch schonende Bewegung und gesunde Ernährung vorgebeugt oder entgegengewirkt werden. Im letzten Stadium der Arthrose besteht die einzige Möglichkeit der Behandlung im Ersetzen des natürlichen Kniegelenks durch ein künstliches Gelenk. Bevor es allerdings zu solch einem schwerwiegenden Eingriff kommt, gibt es noch viele verschiedene andere Behandlungsmöglichkeiten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Knieschmerzen

Wie so oft werden auch bei Knieschmerzen die konservative und die operative Therapie voneinander unterschieden. Im ersten Schritt greifen Ärzte meist auf konservative Maßnahmen zurück, um eine Operation zu vermeiden. Bei akuten Schmerzen wird Betroffenen davon abgeraten, Schmerzmittel einzunehmen, da die Ursache aufgrund des fehlenden Schmerzempfindens verschlimmert werden kann. Leichtere Knieschmerzen können zunächst auch ohne Arzt durch eine Stützbandage aufgefangen werden. Dennoch sollten Schmerzen im Knie ernst genommen und durch den Hausarzt oder Orthopäden abgeklärt werden.

Unabhängig von der Ursache wird betroffenen Patienten bei Übergewicht zu einer Gewichtsabnahme geraten, um die Belastung der Knie zu reduzieren. Außerdem kann in vielen Fällen eine zielgerichtete Physiotherapie dazu beitragen, dass sich die Muskeln entspannen und gestärkt werden. Physiotherapeutische Maßnahmen bestehen aus Dehn- und Kräftigungsübungen für Knie, Bauch, Rücken und Becken. Dadurch können die Muskeln das Kniegelenk besser stützen. Bei traumatischen Verletzungen in Form von Bänderrissen, Meniskusschäden oder Verdrillungen können Orthesen kurzfristig das Knie stützen und für eine Ruhigstellung unter Belastung sorgen.

Liegen den Knieschmerzen eine Fehlstellung der Füße zugrunde, können Einlagen oder orthopädische Schuhe verordnet werden. Sie gleichen die Fehlstellung aus und entlasten das Knie. Langfristig gehen dadurch die Knieschmerzen zurück. Die Einlagen bzw. Schuhe können von einem orthopädischen Schuhmacher maßgerecht auf die Füße angepasst werden. Entzündungen im Kniegelenk und die daraus resultierenden Schmerzen können mit sogenannten Antiphlogistika behandelt werden. Sie hemmen die Entzündungsprozesse und lindern die Knieschmerzen. Eine physikalische Therapie mit Strom, Kälte oder Wärme kann ebenfalls zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen im Knie beitragen. Zur klassischen physikalischen Therapie zählen auch verschiedene Bäder.

Bei einer Arthritis wird neben den Maßnahmen zur Reduktion der Knieschmerzen auch die auslösende Erkrankung behandelt. Deshalb ist es in diesem Fall besonders wichtig, dass der Arzt genau feststellt, weshalb das Kniegelenk entzündet ist. Bei Infektionen können Antibiotika gegeben werden. Eine rheumatoide Arthritis wird mit speziellen Rheumamedikamenten therapiert. Auch Immunsuppressiva können verabreicht werden, um die körpereigene Abwehr davon abzuhalten, die Substanzen im Knie zu bekämpfen.

Operationen bei Knieschmerzen

Operationen am Knie können dank des Fortschritts in der Medizin häufig minimalinvasiv durchgeführt werden. Dadurch wird ein großer Schnitt mit zurückbleibenden Narben vermieden. Auch bei der Kniearthroskopie (Gelenkspiegelung) wird minimalinvasiv vorgegangen. Um das Knie zu untersuchen, wird eine Sonde in das Knie eingeführt, die über eine Videokamera bewegte Bilder aufnimmt. Neben der kleinen Kamera kann der Arzt Instrumente wie Schere, Messer, Haken oder Fräse zum Gelenk bringen. Über die Sonde wird das Knie bei Schädigungen dann direkt behandelt. Der Eingriff ermöglicht eine genaue Inspektion und Behandlung des Kniegelenks.

Liegt ein Knorpelschaden aufgrund einer Kniearthrose vor, kann eine Transplantation vorgenommen werden. Mithilfe körpereigener Knorpelzellen können die Schäden repariert werden. Vorteil dabei ist nicht nur die Reduktion der Schmerzen, sondern auch eine Wiederherstellung der Belastbarkeit und eine verbesserte Beweglichkeit. Die Knorpelschicht im Knie baut sich neu auf und ein Gelenkersatz kann vermieden werden.

Bei Fehlstellungen kommt eine Umstellungsosteotomie am Kniegelenk infrage. Dabei wird die Beinachse verändert, sodass es zu einer Reduktion der Belastung des Kniegelenks kommt. Bei einer Osteotomie werden durch einen chirurgischen Eingriff Knochen durchtrennt, sodass die anatomische Ursprungsform möglichst genau wiederhergestellt werden kann. Wenn eine Osteotomie nicht mehr möglich ist, bleiben in der operativen Therapie zuletzt die Teilprothese oder die Endoprothese für das Knie. Dann wird das Kniegelenk entweder teilweise oder vollständig durch ein künstliches Gelenk ersetzt.

Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeberartikel: "Knieschmerzen in den Griff bekommen - mit Kinesiologie Tapes"