Menü

Kompressionstherapie

Die Kompressionstherapie ist eine Behandlungsmethode aus der Phlebologie, dem medizinischen Fachbereich für Venenerkrankungen und Venenleiden.
Kompressionstherapie an den Beinen

Kompressionstherapie an den Beinen

Mithilfe von Kompressionsverbänden oder Kompressionsstrümpfen wird von außen Druck auf die Gefäße ausgeübt, um die gestörte Blutzirkulation zu fördern. Die Therapie wirkt sowohl auf die Makrozirkulation in Arterien und Venen als auch auf die Mikrozirkulation in Blutkapillaren, Arteriolen und Venolen. Im gesunden Zustand wird das sauerstoffarme Blut über dieBeinvenen aus den Extremitäten ins Herz gepumpt. Bei venösen Erkrankungen ist der Blutfluss aufgrund von Gefäßwandverletzungen verlangsamt. Dadurch steigt das Risiko für Blutpfropfen, die die Geschwindigkeit des Blutflusses unter Umständen weiter reduzieren. Infolgedessen können Thrombosen und Lungenembolien entstehen.

Wirkprinzip der Kompressionstherapie bei Venenleiden

Eine Kompressionstherapie soll diese Folgen bei Patienten mit Gefäßerkrankungen in den Beinen vermeiden. Kompressionsverbände um die Beine oder Kompressionstrümpfe erzeugen Druck von außen, der einerseits eine hämodynamische Wirkung hat. Die Kompression verkleinert den Querschnitt der venösen Gefäße, sodass sich die Flussgeschwindigkeit des Blutes und damit auch der Rückfluss zum Herzen erhöhen. Gleichzeitig reduziert sich der pathologische Reflux bei insuffizienten Venenklappen. Andererseits wirkt sich die Kompressionstherapie auf das Gewebe aus. Der erhöhte Druck minimiert die Ödementstehung. Schadstoffe werden besser abtransportiert und Entzündungen reduziert. Die Kompressionstherapie führt außerdem dazu, dass Ergebnisse der Lymphdrainage im Anschluss erhalten bleiben.

Um die Kompressionstherapie individuell auf den Patienten einzustellen, ermittelt man vorab den Durchblutungsstatus anhand des KADI (Knöchel-Arm-Druck-Index), wobei der systolische Knöchelarteriendruck und der systolische Armarteriendruck überprüft werden. Je niedriger der Wert, umso ausgeprägter ist die arterielle Insuffizienz. Ein KADI-Wert von unter 0,5 weist auf eine schwere Durchblutungsstörung hin, der Normalwert liegt zwischen 1,0 und 1,3. Außerdem zeigt der Wert genau an, welche Stärke die Kompressionstherapie haben muss. Insgesamt gibt es vier Klassen, die aufsteigend in ihrer Kompression zunehmen. Die Klasse 1 übt eine leichte Kompression von ca. 20 mmHg aus und kommt zum Einsatz, wenn Patienten über ein schweres Müdigkeitsgefühl in den Beinen klagen. Stärkere Beschwerden erfordern eine mittlere Kompression der Klasse 2 mit einem Druck von etwa 30 mmHg. Die Kompression der Klasse 3 von ca. 40 mmHg ist bei Folgezuständen nach Thrombosen indiziert. Leidet ein Patient unter einem Lymphödem oder elefantiasischen Zuständen an den Beinen, wählt man die Klasse 4 mit ca. 49 mmHg.

Anwendung der Kompressionstherapie bei Venenerkrankungen

Zur Therapie von venösen Erkrankungen verwendet man medizinische Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsverbände. Die Stärke der Kompressionsstrümpfe und -verbände entscheidet darüber, welcher der vier Kompressionsklassen sie zuzuordnen sind. Bei den Kompressionsverbänden gibt es verschiedene Bindungen und Wickeltechniken. Die Bindungen unterscheiden sich in ihrem Arbeitsdruck und Ruhedruck, die die Verbände auf das Bein ausüben. Wird das Bein nicht bewegt, herrscht Ruhedruck. Dehnt sich der Muskel aufgrund von Bewegung aus, wirkt der Arbeitsdruck auf das Bein. Kurzzugbinden haben ein geringes Dehnungsvermögen, wodurch eine starke Kompression die Flüssigkeitsansammlung reduziert. Sie zeichnen sich durch einen hohen Arbeitsdruck und einen niedrigen Ruhedruck aus. Bei Langzugbinden ist der Ruhedruck hoch und der Arbeitsdruck niedrig, weil sie ein hohes Dehnungsvermögen besitzen. Meist legt man die Kompressionsstrümpfe oder die Kompressionsverbände morgens vor dem Aufstehen an. Bei einem Verband muss der Fuß beim Wickeln abgewinkelt sein. Der Arzt bestimmt die richtige Fußstellung für das Anlegen. Der Verband sollte möglichst fest sitzen und die Kanten der Binde müssen gleichmäßig gespannt sein, andernfalls kann es zu Abschnürungen kommen. Unterschenkel-Kompressionsverbände reichen vom Vorderfuß über die Fußfessel und die Wade bis etwa zwei Zentimeter unter das Knie. Beim Wickeln ist darauf zu achten, dass der Kompressionsdruck in Richtung Herz abnimmt. Vor dem Schlafengehen nimmt man den Kompressionsverband wieder ab. Durch diese Wickeltechnik soll die Entstauung des Beines, die während der Nacht eintritt, erhalten bleiben. Verbände lassen sich darüber hinaus so wickeln, dass längeres Sitzen als unangenehm empfunden wird. Erst bei Bewegung dehnt sich die Binde wieder, was die Patienten während der Kompressionstherapie regelmäßig zu Bewegung motiviert.

Medizinische Kompressionsstrümpfe als Therapie

Alternativ zu den Verbänden kommen bei Venenerkrankungen Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Medizinische Kompressionsstrümpfe bieten Patienten hohen Tragekomfort: Sie verrutschen und lockern sich nicht, sodass die Kompression kontinuierlich wirkt. Ihre Handhabung ist einfach und die Therapiekosten sind gering. Bei regelmäßiger Nutzung müssen Kompressionsstrümpfe in der Regel erst nach einem Jahr ersetzt werden.

Verschreibt ein Arzt Kompressionsstrümpfe, zeigt und erklärt er den Patienten auch die Anwendung, denn eine falsche Fixierung verfehlt die Wirkung und kann die venöse Erkrankung verschlimmern. Meist tragen Patienten den Verband etwa acht Stunden am Tag, doch die genaue Tragedauer wird je nach individueller Diagnose festgelegt. Für Patienten, denen es schwerfällt, die medizinischen Kompressionsstrümpfe über das Bein zu ziehen, gibt es spezielle Anziehhilfen. Eine andere Möglichkeit ist das Tragen von mehreren Kompressionsstrümpfen niedriger Klasse übereinander, da diese leichter anzuziehen sind. Die Kompression der Strümpfe addiert sich beim Übereinanderziehen.

Indikationen der Kompressionstherapie

Als Teil der Behandlungsmethoden in der Phlebologie verschreibt man die Kompressionstherapie bei verschiedenen venösen Erkrankungen. Besonders häufig kommt die chronische venöse Insuffizienz vor. Im gesunden Zustand sorgen Venenklappen dafür, dass das Blut nicht zurückfließt. Verschiedene Ursachen können zu einer Schädigung der Venenklappen führen, beispielsweise ein zu hoher Blutdruck. Kommt es zu einer Thrombose in den Beinvenen, erhöht sich in ihnen der Druck, sodass nicht nur die Venenklappen, sondern auch die Wände der Venen geschädigt werden. Um den Blutfluss wieder zu kontrollieren, werden medizinische Kompressionsstrümpfe verordnet. Infolge einer langfristig unbehandelten chronischen venösen Insuffizienz kann sich ein sogenannter Ulcus cruris venosum bilden. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um das dritte und schwerste Stadium der chronischen venösen Insuffizienz. Sie entsteht durch eine geschwächte Leitfähigkeit der Venen und kann chronische Wunden verursachen. Bewegung und die konsequente Anwendung der Kompressionstherapie beschleunigen die Abheilung maßgeblich.

Eine Thrombose der Beinvenen führt nicht nur über den Umweg der chronischen venösen Insuffizienz zu einer Durchblutungsstörung im Bein. Bei einer Thrombose entsteht ein Gerinnsel zum Beispiel in den tief liegenden Beinvenen, sodass das Blut nicht mehr zum Herzen zurückfließen kann. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen verhindert oder lindert Thrombosen. Werden die Gerinnsel nicht rechtzeitig behandelt, besteht das Risiko einer Lungenembolie oder eines postthrombotischen Syndroms, das eine dauerhafte Schädigung der Beinvenen hervorruft. Auch diese venöse Erkrankung behandelt man mit einer Kompressionstherapie.

Die Makro- und Mikrozirkulation der Venen kann auch durch eine entzündliche venöse Erkrankung, die Phlebitis, gestört werden. Typische Symptome sind Schwellungen, Rötungen, Druckempfindlichkeit, Schmerzhaftigkeit und Verhärtungen der Venen am entzündeten Abschnitt. Eine gezielte Kompressionstherapie hilft dabei, den Blutfluss zu verstärken und die entzündlichen Stoffe abzutransportieren. Besonders Frauen leiden häufig unter Krampfadern am Bein. Hierbei handelt es sich um dauerhaft erweiterte Venen. Der Fachbegriff hierfür ist Varikosis. Neben optischen Veränderungen treten teilweise unangenehme Schmerzen auf, doch mit der Kompressionstherapie lassen sich die Krampfadern behandeln. Nach einer operativen Entfernung der geweiteten Venen tragen die Kompressionsstrümpfe dazu bei, dass keine neuen Krampfadern entstehen.

Neben einem gestörten Blutfluss kann es im Bein auch zu einem unregelmäßigen Lymphabfluss kommen. In solchen Fällen wird ein Lymphödem diagnostiziert. Die Gewebsflüssigkeit (Lymphe) sammelt sich dabei zwischen den Zellen an und führt zu unangenehmen, schmerzhaften Schwellungen. Eine gezielte Kompressionstherapie kann das Lymphödem abschwächen.

Kontraindikationen der Kompressionstherapie

Nicht in jedem Fall kann der Arzt zur Behandlung von venösen Durchblutungsstörungen eine Kompressionstherapie verordnen. Leiden Patienten unter einer fortgeschrittenen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit oder unter einer dekompensierten Herzinsuffizienz, ist von Kompressionsstrümpfen abzuraten. Letztere Erkrankung liegt vor, wenn eine Herzschwäche auch im Ruhezustand Beschwerden verursacht. Ebenso bei einem Herzinfarkt oder einem Lungenödem wirkt sich die Kompression ungünstig aus. Zudem sind Neuropathien, bei denen Nervenschädigungen vorliegen, Kontraindikationen für eine Kompressionstherapie. Bestehen Entzündungen der oberen Hautschichten am Bein, müssen diese vor dem Beginn einer Kompressionstherapie abgeklungen sein. Entsteht bei einer Phlebitis zusätzlich eine Sepsis, ist ebenfalls von einer Kompressionstherapie abzusehen. Der erhöhte Blutfluss würde dazu führen, dass sich die Blutvergiftung schneller im Körper ausbreitet. In jedem Fall ist darauf zu achten, ob die Patienten, die für eine Kompressionstherapie infrage kommen, Materialallergien aufweisen. Sollte sich während der Anwendung abzeichnen, dass die Haut gereizt auf das Material der Kompressionsstrümpfe reagiert, ist nach Alternativen zu suchen.