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Krampfadern

Als Krampfadern werden dauerhaft erweiterte, unregelmäßig geschlängelte Venen bezeichnet. Medizinische Fachbegriffe für diese Venenerkrankung sind Varikose, Varikosis, Varix oder Varizen.
Krampfaderbildung am Bein

Krampfaderbildung am Bein

Krampfadern entstehen meist an den Beinen, seltener am Becken. Aus einer internationalen Studie aus dem Jahr 2012 zur Verbreitung von Krampfadern geht hervor, dass rund 31 % der Deutschen unter Varikose leiden. Etwa 60 % haben Besenreiser, die als Vorstufe von Krampfadern gelten. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung ist davon auszugehen, dass das Vorkommen von Krampfadern weiter steigt, da das Alter einen Risikofaktor für die Erkrankung darstellt. Frauen sind etwas häufiger von Krampfadern betroffen als Männer. Begleiterscheinungen der Krankheit sind Schwellungen und Schmerzen sowie häufig ein hoher psychischer Leidensdruck.

Aufgabe der Venen in den Beinen

Die Venen im Körper haben die Aufgabe, sauerstoffarmes Blut aus dem Gewebe zum Herzen zu transportieren, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dieser Bluttransport läuft meist gegen die Schwerkraft. Sogenannte Muskelpumpen helfen dabei, das Blut aus den Venen zurück zum Herzen zu befördern. Venen sind eingebettet in Muskelschichten. Wenn die Muskeln sich bewegen, ziehen sie sich zusammen, drücken auf die Venen und erzeugen so den gewünschten venösen Rückfluss in Richtung Herz. Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut nicht wieder zurücklaufen kann. Im Gegensatz zu Arterien sind Venen dünner und dehnbarer, insbesondere die oberflächlichen Venen erweisen sich als besonders flexibel und sehr fein. Zudem ist der Blutdruck darin deutlich geringer als in den Arterien. Die tiefen Beinvenen können viel Blut aufnehmen und einen Großteil der gesamten Blutmenge abtransportieren. Bei einem schwachen Bindegewebe erschlaffen mit der Zeit zunächst die Wände der oberflächlichen Venen, sodass die Venenklappen nicht mehr dicht schließen und das Blut sich in den Venen staut. Diese Venenschwäche führt dazu, dass sich die Beinvenen erweitern und verformen. Nach und nach sind auch die Verbindungsvenen (Perforansvenen) zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen Venensystem betroffen. Zuletzt erschlaffen die tief liegenden Venen.

Entstehung und Ursache von Krampfadern

Die durch Bindegewebsschwäche bedingten Erweiterungen der Venen zeigen sich zunächst als Besenreiser und später als Krampfadern. Der Verlauf einer Varikose ist meist chronisch, da der Prozess der Venenerweiterung nicht umkehrbar ist und Besenreiser nach einer Verödung oft erneut auftreten. Auch nach einem operativen Eingriff besteht eine Rückfalltendenz. Ausschließlich in der Schwangerschaft entstandene Krampfadern bilden sich nach der Entbindung meist wieder zurück.

Häufig begünstigt eine familiäre Veranlagung die Entstehung von Krampfadern, aber auch hormonelle Einflüsse in der Schwangerschaft können für eine Erweiterung der Venen sorgen. Ein weiterer Faktor für die Entstehung einer Venenschwäche ist das Alter, denn mit zunehmender Lebensdauer nimmt die Elastizität der Venen ab und es kann zu Erweiterungen kommen. Auch der Lebensstil wirkt sich auf die Venen aus. Übergewicht, langes Stehen oder enge Kleidung begünstigen die Entstehung von Krampfadern.

Darüber hinaus kann eine angeborene Schwäche der Venenklappen, in seltenen Fällen auch das angeborene Fehlen, ursächlich für eine Beeinträchtigung des Venensystems sein und langfristig eine Varikose hervorrufen. Blutgerinnsel zählen ebenfalls zu den Risikofaktoren für Krampfadern, da sie den Blutfluss verhindern und so die Erweiterung der Venen verursachen. Auch eine chronische Herzschwäche – hier vor allem eine Schwäche der rechten Seite des Herzens – kann zu Krampfadern führen. Dabei erhöht sich der Druck in den Venen, weil das Blut nicht schnell genug in die Lunge weitergepumpt wird und es zum Rückstau bis in die Blutkapillaren kommt.

Verlauf und Formen der Varikose

Besenreiser gelten als die „Minimalform“ von Krampfadern, sind jedoch meist nur kosmetisch bedeutsam. Die kleinsten Hautvenen erweitern sich und färben sich unter der Haut rötlich blau, in seltenen Fällen verursachen sie örtliche Schmerzen. Krampfadern sind das fortgeschrittene Stadium der Besenreiser. Im letzten Stadium entstehen bisweilen Venenthrombosen, die nicht nur Ursache, sondern auch Folge von Krampfadern sein können.

Tritt die Varikose aufgrund von Verhalten (langes Stehen, Übergewicht, fehlende Bewegung) oder genetischer Veranlagung auf, handelt es sich um eine primäre Form. Wenn Krampfadern infolge von Krankheiten auftreten, spricht man von einer sekundären Varikose.

Man unterscheidet Krampfadern nicht nur nach Ursachen, sondern auch nach Lokalisation und Form. Retikuläre Varizen sind netzförmig angeordnet, leicht geschlängelt und unregelmäßig verteilt. Sie beschränken sich auf die kleinen Hautvenen und sind blau gefärbt. Wie Besenreiser sind retikuläre Varizen eher kosmetisch störend. Anders ist es bei Krampfadern der Stammvenen, den Hauptvenen des oberflächlichen Venensystems, die man als Stammvarizen bezeichnet. Krampfadern entstehen teils auch in größeren Hautgefäßen, die unter dem Begriff Seitenäste bekannt sind. Seitenastvarizen und Stammvarizen manifestieren sich meist erst dann, wenn bereits Erweiterungen der Verbindungsvenen (Perforansvarizen) aufgetreten sind. Eine besondere Form der Krampfadern sind Beckenvenenvarizen, die nach mehreren Schwangerschaften oder nach Thrombosen entstehen können.

Symptome und Komplikationen bei einer Varikose

Zunächst verursachen die Erweiterungen der Venen überwiegend kosmetische Veränderungen, etwa als Verfärbungen und Schwellungen der Beine. Letztere treten besonders nach langem Stehen oder Sitzen auf oder bei warmen Temperaturen. Abends sind die Schwellungen meist am stärksten ausgeprägt. Durch die Venenerweiterungen werden die Beine schneller schwer, müde und schmerzen leichter. Vor der Menstruation verstärken sich die Symptome häufig aufgrund von hormonellen Veränderungen. Hochlagern und Kühlen lindern die beschriebenen Symptome rasch. Irrtümlich werden oft auch Wadenkrämpfe für Symptome von Krampfadern gehalten. Die Wadenkrämpfe hängen jedoch nicht mit erweiterten Venen zusammen.

Krampfadern verursachen immer wieder Komplikationen, etwa wenn sich die erweiterten Venen entzünden. Dann schmerzen sie ungewöhnlich, sind überwärmt und gerötet und es können Blutgerinnsel damit einhergehen. Eine weitere Komplikation besteht im starken Anschwellen der Beinvenen. Andere Folgeschäden äußern sich als Hautveränderungen, Gewebeschäden oder Geschwüre. Bei Letzteren besteht die Gefahr eines offenen Beins (Ulcus cruris) in der Knöchelgegend. Chronisches Venenversagen und eine weiße Atrophie sind weitere Folgen von Krampfadern.

Diagnose und Therapie von Krampfadern an den Beinen

Sobald Adern als Schlängelungen und Knoten sichtbar sind, sollte man zum Arzt gehen. Zunächst kann der Hausarzt einschätzen, ob ein Verdacht auf Krampfadern besteht. Ein Venenspezialist (Phlebologe) sollte die erweiterten Venen genauer diagnostizieren. Eine schnelle Diagnose ist wichtig, damit unmittelbar Maßnahmen ergriffen werden können. Gezielte Therapiemaßnahmen lindern rasch die entstandenen Beschwerden und verhindern, dass sich die Krampfadern verschlimmern. Der Arzt bezieht bei seiner Diagnose die familiäre Vorbelastung, eine körperliche Untersuchung und die Sonografie der Venen ein.

Als Therapie kommen konservative und operative Maßnahmen infrage. Zu den konservativen Ansätzen zählt die physikalische Therapie in Form von Kneippanwendungen, z. B. kalte Unterschenkelgüsse oder Wassertreten, wodurch sich die erweiterten Venen zusammenziehen. Viel Gehen und Venengymnastik unterstützen diesen Prozess. Bei Krampfadern setzt man häufig auch auf die manuelle oder apparative Lymphdrainage, um die Beine zu entstauen.

Außerdem stehen der konservativen Therapie Venenmittel zur Verfügung. Als Sprays, Salben, Gels und Kapseln tragen diese Medikamente dazu bei, dass die Beine abschwellen und sich die subjektiven Beschwerden verringern. Arzneimittel sind kein Ersatz für die Kompressionstherapie, dienen aber als unterstützende Begleittherapie. Bei Komplikationen wie Ulcus cruris erweist sich die Kompressionstherapie oft als günstig. Entzündungshemmer bewirken bei den Venenentzündungen positive Effekte.

Operative Verfahren bei Krampfadern

Zu den operativen Ansätzen, die auf das Entfernen von Krampfadern verzichten, gehört die Sklerotherapie. Bei dieser Methode verödet man die Venen über die Injektion eines Mittels, das zur Vernarbung der Venenwände führt. Dazu sind meist mehrere Therapiesitzungen notwendig. Ferner gibt es thermische Verfahren mittels Laser oder Radiowellen. Beides sind kathetergestützte Hitzeverfahren, mit deren Hilfe die Venen verödet werden. Die CHIVA-Methode setzt auf das Abbinden der veränderten Venenabschnitte. Das korrigiert den fehlgeleiteten Blutfluss sowie die damit verbundenen Stauungen und die Krampfadern bilden sich zurück. Für stark ausgeprägte Krampfadern eignet sich CHIVA jedoch nicht. Auch bei der externen Valvuloplastie entnimmt man die Krampfadern nicht, sondern verengt die große Beinvene von außen. Sie wird mit einer dünnen Kunststoffmanschette ummantelt, sodass die Venenklappe durch die künstliche Verengung wieder richtig schließt. Bei den operativen Verfahren zur Entfernung von Krampfadern wird zwischen Stripping und Phlebektomie unterschieden. Beim Stripping entfernt man mehrere Venenabschnitte, die gesunden Abschnitte bleiben aber erhalten. Bei einer Phlebektomie entnimmt man die gesamte Krampfader.

Risiken von operativen Krampfaderbehandlungen bestehen in Nachblutungen, Bildung von Blutgerinnseln oder der Ansammlung von Lymphflüssigkeit, dies sind allerdings generelle Nebenwirkungen von operativen Eingriffen. Ferner besteht das Risiko der Neubildung von Krampfadern und damit erneut auftretender Beschwerden für den Patienten. Um das zu verhindern, sind vorbeugende Maßnahmen empfehlenswert: eine gesunde Lebensweise, Venengymnastik, regelmäßiger Ausdauersport und Kneippanwendungen. Diese Präventionsmaßnahmen gelten nicht nur für bereits operierte Patienten, sondern auch für Personen, deren Risiko für Krampfadern erhöht ist. Die Prävention kann verhindern, dass es überhaupt zu einer Venenschwäche und den damit verbundenen Beschwerden kommt.