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Der diabetische Fuß

Begleiterkrankung des Diabetes mellitus

Diabetischer Fuß

Bei Diabetes mellitus handelt es sich um eine weitverbreitete Stoffwechselerkrankung, die den Zuckerstoffwechsel durch eine Insulinresistenz oder einen Insulinmangel stört. Eine durch Insulinresistenz hervorgerufene Diabetes-mellitus-Erkrankung wird dadurch verursacht, dass die Zellen schlechter auf Insulin reagieren und deshalb keinen Zucker aufnehmen. Dadurch bleibt der Blutzucker nach der Nahrungsaufnahme hoch. Diese Störung bezeichnet man als Typ-2-Diabetes. Bei einem allgemeinen Insulinmangel, der auf eine eingeschränkte natürliche Insulinproduktion zurückzuführen ist, wird ebenfalls zu wenig Zucker aus dem Blut in die Zellen übertragen. Diese Form des Diabetes wird als Diabetes mellitus Typ 1 bezeichnet. Die Stoffwechselerkrankung wirkt sich nicht nur auf den Zuckergehalt im Blut aus, sondern beeinträchtigt auch damit verbundene Prozesse, die Begleit- und Folgeerkrankungen auslösen können, wie z. B eine mögliche Schädigung von Blutgefäßen oder auch Nervenzellen. Dadurch entsteht unter anderem das Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), ein Krankheitsbild, bei dem Arterien von Durchblutungsstörungen betroffen sind. Auch ein diabetischer Fuß gehört zu den möglichen Folgen der Störungen. In Kombination mit einer pAVK kann dieses Symptom zu besonderen Komplikationen führen.

Als Reaktion auf einen jahrelangen überhöhten Blutzucker bei einer unbehandelten Diabetes-Erkrankung können Schäden an den Nerven entstehen, die als diabetische Neuropathie bezeichnet werden. Sind bereits viele Nervenbahnen betroffen, spricht man von einer fortgeschrittenen Nervenschädigung oder auch Polyneuropathie. Eine Form davon ist auch als neuropathischer Fuß bekannt. Eine jahrelange Überzuckerung wirkt sich, wie bereits erwähnt, auch schädigend auf die Blutgefäße aus. Hier spricht man von diabetischen Angiopathien. Durch die Gefäßschädigungen werden Durchblutungsstörungen hervorgerufen. So kann es bei nicht behandelter Erkrankung zu einem ischämischen Fuß kommen. Sowohl eine Polyneuropathie als auch Angiopathien treten bei Patienten mit Diabetes häufig an den Beinen und Füßen auf. Sind die Nerven an den Füßen geschädigt, kann es zu einer eingeschränkten Wahrnehmung bei Schmerzen, Druck (z. B. durch unpassende Schuhe oder Fehlstellungen von Fuß und Zehen) oder Temperaturschwankungen kommen. Das führt häufig dazu, dass keine Präventionsmaßnahmen ergriffen und unbemerkte Verletzungen oder Wunden nicht behandelt werden. Im schlimmsten Fall kommt es bei einem diabetischen Fuß zu einer Amputation von Zehen, des Fußes oder sogar eines Teils des Beines bis zum Kniegelenk. Etwa 50.000 Amputationen jährlich werden infolge eines schweren diabetischen Fußsyndroms in Deutschland durchgeführt. Ein diabetischer Fuß ist aufgrund der steigenden Diabetes-Rate auch bei Kindern möglich. Bei regelmäßiger ärztlicher Behandlung und Kontrolle der Blutzuckerwerte sowie der Mithilfe des Patienten kann das Risiko, an einem diabetischen Fußsyndrom zu erkranken, jedoch minimal gehalten werden.

Diabetischer Fuß und seine Ursachen

Beim diabetischen Fuß unterscheidet man den neuropathischen Fuß und den ischämischen Fuß. Spricht man von einem neuropathischen Fuß, liegen bereits Nervenschädigungen vor. Die Abstufungen reichen von leichten Schädigungen bis hin zum Funktionsausfall der Nerven. Daraus resultiert eine abnehmende Empfindsamkeit, die zu unbemerkten Verletzungen und Wunden führen kann. Auch die Steuerung der Muskeln am Fuß kann durch Nervenschädigungen beeinträchtigt werden. In der Folge verändert sich der Abrollvorgang des Fußes beim Gehen und Laufen, wodurch sich die Zehen krallenartig verformen. Bei dieser Deformierung der Füße spricht man von Krallenzehen oder Hammerzehen, wobei sich das mittlere Gelenk nach oben und das letzte Gelenk nach unten verbiegen und so zu einem veränderten Gang führen. Der Druck auf den Fuß verlagert sich beim Gehen auf den vorderen Bereich, weshalb es dort zu einer starken Hornhautbildung kommen kann.

Eine andere Fußdeformität nennt die Medizin Hallux valgus. Hierbei verformen sich der Mittelfußknochen nach außen und der große Zeh gleichzeitig nach innen. Der Druck lastet auf dem Fußballen und führt zu einer stärkeren Verhornung dieser Stelle. In der Medizin wird die starke Verhornung des Plattenepithels auch als Hyperkeratose bezeichnet. Bei besonders starker Belastung der Druckstellen am Fuß sind auch Einblutungen möglich. Zudem kann eine Störung der Nerven zum Verlust der Schweißbildung führen, wodurch es zu trockener und rissiger Haut kommt, die daraufhin anfällig für Verletzungen, Wunden und Infektionen ist. Besonders feine Risse bezeichnet man als Fissuren. Sie sind vom Patienten oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Etwas tiefere Hauteinrisse werden Rhagaden genannt. Die Rhagadenbildung ist eine typische Auswirkung der Nervenschädigung oder der Durchblutungsstörung aufgrund des Diabetes. Unbemerkt kann so ein neuropathisches Ulcus entstehen, eine Verletzung, die bis in die tieferen Hautschichten reicht. Die auch als Malum perforans bezeichnete Schädigung kann sich nach und nach ausbreiten und zu einem Absterben der Füße führen. In diesem Fall sprechen Ärzte von einer Nekrose von Fußteilen oder des gesamten Fußes. Durch eine zusätzlich geschwächte Durchblutung, die auch als Folge der Nervenstörung auftreten kann, werden die Abwehrkräfte geschwächt, sodass die Ausbreitung von Infektionen schneller möglich ist.

Ein diabetisches Fußsyndrom kann unter Umständen in der besonders schweren Form der diabetisch-neuropathischen Osteoarthropathie enden. Der sogenannte Charcot-Fuß wurde erstmals vom französischen Neurologen Jean-Martin Charcot beschrieben. Bis heute ist die Entstehung dieser Folgeerkrankung noch nicht abschließend geklärt. Eine naheliegende Vermutung ist, dass durch die Druckveränderung beim Gehen die Gelenke und Knochen im Fuß überlastet sind. Gleichzeitig wird Kalk abgebaut, wodurch es zu Knochenbrüchen kommen kann. Die eingeschränkte Empfindsamkeit führt dazu, dass der Bruch teilweise unbemerkt verheilt und den Fuß deformiert. Bei einem Charcot-Fuß ist eine Druckentlastung und Ruhigstellung bis zur Abheilung unabdingbar. Nur ein Spezialist kann erkennen, ob ein diabetischer Fuß diese besondere Ausprägung aufweist. Infolge von Nerven- und Blutbahnschädigungen kann es zu offenen, schlecht verheilenden Stellen am Fuß kommen. Die Auslöser dafür sind meist harmlos: Druckstellen, Verbrennungen, unbemerkte Fremdkörper im Schuh, kleinste Verletzungen am Fuß, z. B. durch die Fußpflege oder Fußpilz, können zu einem diabetischen Fußsyndrom führen.

Diabetischer Fuß – Erkrankung verhindern

An den harmlosen Auslösern setzt die Prävention und Vorsorge für einen diabetischen Fuß an. Ein Diabetiker sollte mindestens einmal im Jahr seine Füße durch einen Arzt untersuchen lassen. Der prägende Satz „Ein diabetischer Fuß schweigt“ drückt aus, dass ein Fußsyndrom infolge einer Diabetes-Erkrankung auch ohne Symptome auftreten kann. Die regelmäßige Vorsorge kann zunächst der Hausarzt übernehmen. Er untersucht die Füße gründlich auf Warnhinweise und kann nach Bedarf weitere Schritte einleiten. Bei Verdacht auf eine Nervenstörung in den Beinen sollten Diabetiker umgehend einen Arzt aufsuchen. Weitere Warnhinweise sind zunehmend trockene Haut, Krallenbildung der Zehen, Rötungen, Schwellungen und Überwärmung des Fußes ohne spürbare Schmerzen. Unabhängig davon sind der Schutz der Füße und die regelmäßige Eigenkontrolle auf Hautveränderungen äußerst wichtig. In Seminaren werden Diabetiker geschult, um eine gute Blutzuckereinstellung zu erreichen und eine regelmäßige und sachgemäße Fußpflege sicherzustellen. Den an Diabetes erkrankten Personen wird empfohlen, die Füße täglich zu kontrollieren und – wenn möglich – ein handwarmes Fußbad vorzunehmen. Nach fünf Minuten Badezeit ohne Seife werden die Füße gründlich und vorsichtig durch Tupfen getrocknet. Sind leichte Hornhautstellen sichtbar, können diese selbst entfernt werden. Bei dickerer Hornhaut sollte eine medizinische Fußpflege aufgesucht werden. Zum Schutz vor Verletzungen wird empfohlen, die Nägel an den Füßen nur mit Sandblatt- oder Glasfeilen in Form zu bringen. Neigt die Haut der Füße zu Trockenheit, können rückfettende und feuchtigkeitsbindende Cremes helfen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl des richtigen Schuhwerks, das ein Auftreten eines diabetischen Fußes verhindern kann.

Diagnose eines diabetischen Fußsyndroms

Sollten eindeutige Hinweise für einen diabetischen Fuß vorliegen, nimmt ein Diabetologe, ein Arzt für innere Medizin oder ein Arzt für Fußchirurgie eine genaue Diagnose auf Basis der vorliegenden Krankengeschichte des Patienten vor. Anschließend wird die Haut genauestens auf Verletzungen oder andere Veränderungen untersucht. Mit dem Stimmgabeltest wird überprüft, ob die Temperaturwahrnehmung eingeschränkt ist. Vorhandene Wunden werden nach Größe, Lage und Verlauf kontrolliert. Sollten infizierte Wunden vorliegen, werden Abstriche oder Gewebeproben zur Identifikation der Erreger genommen. Bei einem Verdacht auf Durchblutungsstörungen untersucht der Arzt die Gefäße. Um die Knochenstruktur zu analysieren, können Röntgenbilder oder MRT-Aufnahmen gemacht werden. Im Anschluss an die Untersuchungen ordnet der Arzt den diabetischen Fuß in ein Stadium und einen Grad ein. Folgende Tabelle nach Wagner und Armstrong dient zur Orientierung.

Quelle: Wikipedia

Frühe Behandlung vermeidet Amputation

Anhand der Einteilung der Wagner-Armstrong-Tabelle kann der Arzt erste Schritte der Therapie ableiten. Sollte es sich um eine akute Wunde handeln, wird sie versorgt und behandelt. Außerdem erfolgt eine Behandlung der Entzündung des Fußes, z. B. mit einem Antibiotikum. Spezielle Schuhe, ein Rollstuhl oder Bettruhe können je nach Schweregrad des diabetischen Fußes durch den Arzt verordnet werden. Gefäßerkrankungen werden behandelt und in manchen Fällen werden Operationen durchgeführt. Eine Amputation eines diabetischen Fußes ziehen Diabetologen lediglich als letzten Ausweg in Erwägung. Dies kann z. B. bei tiefen Wunden in Kombination mit einer Durchblutungsstörung allein oder gepaart mit einer Infektion der Wunde vorkommen. Solange noch andere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht kommen, sollten Amputationen unbedingt vermieden werden, da sie für den Diabetiker eine erhebliche Beeinträchtigung bedeuten. Erst wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind und die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist, sollte zu solch einer drastischen Maßnahme gegriffen werden. Ein diabetischer Fuß kann durch einen aufmerksamen Diabetiker und regelmäßige Vorsorge verhindert werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich Patienten auf die überall angebotenen Diabetes-Schulungen einlassen und Risikofaktoren ernst nehmen. Andernfalls kann es für die Erkrankten zu schwerwiegenden Folgen kommen.

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