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Was ist ein Dekubitus?

Dekubitus – Entstehung, Therapie, Vorbeugung
Illustration Wundliegen Dekubitus

Was ist Dekubitus?

Durch anhaltenden Druck auf eine Hautstelle und das darunter liegende Gewebe, z. B. durch lange Bettlägerigkeit, kann es zu einer Schädigung von Haut und Gewebe kommen. Der Fachausdruck für das Wundliegen ist Dekubitus. Viele kranke und ältere Personen leiden darunter. Bei etwa 14 % aller stationären Patienten entsteht so ein Druckgeschwür. In der höheren Altersklasse sind bis zu 30 % der Patienten von einem Dekubitus betroffen. Aber nicht nur ältere, bettlägerige oder kranke Menschen zählen zur Risikogruppe für das Wundliegen, auch Personen, die viel sitzen oder an Lähmungen leiden, sind anfälliger für Wunden durch Druckbelastung. Zusätzliche Risikofaktoren für Dekubitus sind außerdem Diabetes mellitus oder Durchblutungsstörungen. Liegt bei der Person zudem noch eine Mangelernährung oder Dehydration vor, ist die Haut schlechter versorgt und deshalb besonders anfällig für das Wundliegen. Bei sehr schlanken, aber auch bei übergewichtigen Patienten kann der Druck auf die Haut durch die veränderten physikalischen Verhältnisse stärker auf gefährdete Körperstellen einwirken.

Wie entsteht ein Dekubitus?

Wenn bei einer Person ein oder mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, besteht eine größere Gefahr, einen Dekubitus zu entwickeln. Insbesondere die Immobilität trägt dazu bei, dass an manchen Stellen der Haut ein zu lange anhaltender Druck entsteht. Dadurch wird diese Partie der Haut nicht mehr ausreichend durchblutet, weshalb es zu einer Mangelversorgung an Sauerstoff und anderen Nährstoffen kommt. Wenn die Liege- oder Sitzposition regelmäßig gewechselt werden kann, hat diese Mangelversorgung kurzfristig keine Auswirkungen auf die Gesundheit des Patienten. Wird allerdings langfristig Druck auf eine bestimmte Körperpartie ausgeübt, entsteht eine Schädigung der Haut und des Gewebes. Es entwickelt sich ein Druckgeschwür. Zusätzlich kann der Druck durch Scherkräfte verstärkt werden. Beim Ziehen, Lagern oder Umdrehen des Patienten kann es passieren, dass die Hautschichten sich gegeneinander verschieben. Dadurch können sich Blutgefäße verdrehen und die Blutzirkulation verhindern.

An welcher Stelle der Dekubitus auftritt, ist immer davon abhängig, in welcher Stellung der Betroffene liegt oder sitzt. Anfällig für einen Dekubitus sind der Hinterkopf, die Schultern, die Ellenbogen, die Hüfte, das Kreuzbein und Steißbein, die Knie, die Knöchel und die Fersen. An diesen Stellen wird ein hoher Anteil an Knochen nur gering von Weichteilen bedeckt. Hautareale zwischen Unterlage und Knochenvorsprüngen sind besonders durch bestehenden Druck belastet. Außerdem besteht dort ein höheres Risiko für das Wundliegen, wo Fremdkörper oder medizinische Geräte den Druck auf die Haut verstärken, z. B. bei Blutdruckmanschetten, Sauerstoffschläuchen oder einer Halskrause.

Wir wird Dekubitus klassifiziert

Im umgangssprachlichen Gebrauch wird der Dekubitus in Schweregrade oder Stufen eingeteilt. Die Gremien des EPUAP und des NPUAP* erklären, dass diese Einteilung missverständlich aufgefasst werden könnte. Es kann fälschlicherweise so verstanden werden, dass die Phasen aufeinander folgen müssen, obwohl dies nicht unbedingt dem typischen Verlauf des Dekubitus entspricht. Deshalb schlägt das EPUAP-Gremium vor, das Geschwür statt in Stufen oder Schweregrade in vier verschiedene Kategorien einzuteilen.

In der ersten Kategorie des Dekubitus besteht eine dauerhafte Hautrötung. Mit dem 3-Sekunden-Fingertest kann überprüft werden, ob es sich bei der Rötung bereits um einen Dekubitus handelt. Verfärbt sich die Haut unter dem Druck der Finger nicht weiß, ist davon auszugehen, dass ein Geschwür vorliegt. Zudem sind kleinere Schwellungen, Hautverhärtungen oder eine Erwärmung in dieser Kategorie typische Symptome. Zeigen sich bereits defekte Teile der Haut, offene Stellen mit Abschürfungen oder Blasenbildung, ist der Dekubitus in die zweite Kategorie einzuordnen. In diesem Fall sind die oberen beiden Hautschichten – die Epidermis und die Dermis – betroffen. Wenn alle Hautschichten zerstört sind, spricht man von der dritten Dekubitus-Kategorie. Hierbei liegt oft eine tiefe Wunde vor und Teile des Gewebes sind abgestorben. Das abgestorbene Gewebe nennt man Nekrose. Die vierte Kategorie bezieht sich auf Druckgeschwüre die auf tiefer liegendes Gewebe übergegangen sind. Knochen, Muskeln oder Sehnen sind dann bereits durch den Dekubitus angegriffen.

Wie wird ein Dekubitus diagnostiziert?

Nicht immer verspüren die Patienten Schmerzen, wenn sie einen Dekubitus entwickelt haben. Durch Schmerzmittel, die zur Behandlung anderer Erkrankungen verabreicht werden, können die Schmerzen des Geschwürs beispielsweise unterdrückt werden. Deshalb müssen Pflegende die Haut des Patienten regelmäßig auf Druckstellen überprüfen. Die besonders belasteten Körperregionen stehen dabei im Fokus. Aber auch alle anderen Partien der Haut sollten durch die Pflegekraft kontrolliert werden. Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto besser ist die Chance, weitere Komplikationen zu verhindern. Bei einem schweren Verlauf des Dekubitus kann es zu Infektionen der Wunden oder Blutvergiftungen kommen. Besteht ein Verdacht auf Dekubitus, untersucht ein Arzt die Haut genauer und ordnet das Geschwür in eine Kategorie ein. Daraufhin wird eine Therapie für den Patienten eingeleitet.

Wie sieht die Therapie bei einem Dekubitus aus?

Die Behandlung bei einem Dekubitus setzt sich aus verschiedenen Maßnahmen zusammen. Unabhängig von der klassifizierten Kategorie wird mit Druckentlastung einer Verschlechterung des Dekubitus vorgebeugt. Die Druckentlastung wird durch regelmäßiges Umlagern oder Umsetzen vollzogen und kann durch druckverteilende Hilfsmittel (z. B. Wechseldruckmatratzen) unterstützt werden.

Wird der Patient durch Angehörige zu Hause versorgt, kann diese Maßnahme ebenfalls umgesetzt werden. Im Gegensatz zur Druckentlastung wird von einer Behandlung mit Verbänden und Salben durch pflegende Angehörige abgeraten. Fehler bei der Anwendung können dazu führen, dass sich das Druckgeschwür verschlimmert.

Neben der Druckentlastung spielt die Wundversorgung bei der Therapie eines Dekubitus eine zentrale Rolle. Ist der Dekubitus der zweiten, dritten oder vierten Kategorie zuzuordnen, muss möglicherweise eine Nekrose entfernt werden. Unter dem abgestorbenen Gewebe können Infektionen entstehen, die zu einer Verschlechterung des Dekubitus führen. Liegt bereits eine Infektion vor, muss diese mit einem Antiseptikum oder einer 0,9 %-NaCl-Lösung regelmäßig gespült werden. Die Spülungen müssen so lange durchgeführt werden, bis die Infektion abgeheilt ist. In vielen Fällen wird zu einer feuchten Wundbehandlung geraten. Dabei setzt die Therapie darauf, die Wunde mit speziellen Wundversorgungsprodukten dauerhaft feucht zu halten, damit der Heilungsprozess gefördert wird. Je nach Wundheilungsphase wird ein anderer Verband benötigt, um die Wunde optimal zu versorgen. In der Reinigungsphase muss zur Förderung der Selbstreinigung bei schwarzen, trockenen Nekrosen darauf geachtet werden, dass die Wunden ausreichend Feuchtigkeit erhalten. Dadurch können die Nekrosen aufgelöst werden. Handelt es sich um eine grau-gelbe, feuchte Nekrose, besteht die Wundversorgung des Dekubitus aus einem absorbierenden Verband, der dennoch das feuchte Milieu erhält. Ist die Wunde infiziert und belegt, muss das Sekret durch die Wundauflage aufgenommen werden. Die Granulationsphase beschreibt die Neubildung von Gewebe. Ist die Granulation der Wunde schlecht, achtet der Arzt auf eine Absorption des Wundsekrets und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Wunde feucht und warm gehalten wird. Bei roter, fester Granulation müssen Wunden durch geeignete Produkte besonders vor der Austrocknung geschützt werden. In der letzten Phase der Wundheilung, der Epithelisierungsphase, soll durch den Verband die Neubildung der Haut gefördert werden. Auch hier ist der Schutz vor Austrocknung besonders wichtig. Zudem darf der Verband nicht mit der Wunde verkleben. Teilweise sind chirurgische Eingriffe notwendig, um Nekrosen zu entfernen oder betroffene Muskeln, Sehnen und Knochen zu behandeln. Eine Operation wird meist nur bei einem Dekubitus der Kategorie drei oder vier in Betracht gezogen. Die Druckgeschwüre in zweiter und erster Kategorie können mit der konservativen Therapie in ihrem Heilungsprozess unterstützt werden.

Wie kann einem Dekubitus vorgebeugt werden?

Die Dekubitusprophylaxe ist in stationären Einrichtungen zentraler Bestandteil der pflegerischen Versorgung von Patienten. Ob in der Altenpflege, in Rehabilitationseinrichtungen oder in Kliniken und Krankenhäusern: Die Pflegekräfte werden im Bereich der Dekubitusprophylaxe geschult, damit das schmerzende Druckgeschwür gar nicht erst entstehen kann. Gemeinsam mit dem NPUAP* hat das europäische Gremium EPUAP* eine Kurzanleitung zur Prävention, Diagnose und Therapie verfasst, die den Pflegekräften als Leitlinie dient. Darin wird beschrieben, wie bei der Dekubitusprophylaxe vorzugehen ist. Soweit es dem Patienten möglich ist, sollte er durch das Pflegepersonal regelmäßig zu Bewegung motiviert werden. Auch zu Hause stehen die pflegenden Angehörigen in der Verantwortung, der pflegebedürftigen Person Anreize zur Bewegung zu schaffen. Generell wird pflegenden Angehörigen empfohlen, Kurse zur Dekubitusprophylaxe zu belegen und sich vom behandelnden Arzt beraten zu lassen. Bei Immobilität muss die Bewegung durch die Pflegekraft oder den pflegenden Angehörigen übernommen werden. Bevor es zu einem Dekubitus kommt, kann durch eine fachgerechte Lagerung zur Druckentlastung beigetragen werden. Es gibt unterschiedliche Techniken, die für eine Entlastung der gefährdeten Körperstellen sorgen. Dazu zählt z. B. die „Frei-gelagerte-Ferse-Technik“, bei der ein Handtuch an beiden Enden zusammengerollt und der Fuß dann mittig auf dieser Rolle platziert wird, sodass die Ferse nicht aufliegt. Ein weiteres Beispiel ist die 30-Grad-Lagerung. Hierbei wird ein flaches Kissen unter den Rücken gelegt und ein zweites zwischen die Oberschenkel. Nach einer vorgegebenen Zeit werden die Seiten gewechselt.

Neben der richtigen Lagerung muss auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. In der oben genannten Leitlinie wird beschrieben, welchen Kalorien- und Nährstoffbedarf die Patienten haben. Damit die Haut nicht zu trocken wird, muss auch auf eine geeignete Hautpflege geachtet werden. Die Haut sollte nur dann mit Wasser in Berührung kommen, wenn es zur Reinigung notwendig ist. Zur anschließenden Pflege sind geeignete Salben oder Cremes zu wählen, die an die Hautbeschaffenheit des Patienten angepasst sind.

* EPUAP und NPUAP sind internationale Zusammenschlüsse von Wissenschaftlern, Pflegekräften und Ärzten zur Förderung der Dekubitusforschung sowie zur Aufklärung und Beratung von Betroffenen, Ärzten und Pflegepersonen.

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