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Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen - was tun bei leichten Sportverletzungen?

Sport macht Spaß und ist gesund. Regelmäßiges Training hält den Körper fit, baut Muskeln auf, Fett ab, wirkt gegen Bluthochdruck und stärkt das Herz sowie weitere innere Organe.
Leichte Sportverletzungen kann man häufig selbst behandeln

Leichte Sportverletzungen kann man häufig selbst behandeln

Gleichzeitig werden Stresshormone reduziert und Glückshormone ausgeschüttet. Trotz all der positiven Wirkungen kann es im Freizeitsport zu Verletzungen kommen. Die gute Nachricht ist jedoch: Oft sind Sportunfälle durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen vermeidbar und in vielen anderen Fällen handelt es sich um leicht zu behandelnde, nicht dauerhafte Verletzungen und Symptome. Dieser Ratgeberartikel gibt Ihnen einen Überblick über verschiedene Arten von Verletzungen, die im Freizeitsport auftreten können, und nennt sinnvolle Erstmaßnahmen. Außerdem finden Sie hier Hinweise, wie sich Sportverletzungen vermeiden lassen.

PECH-Regel

Bei leichten Sportverletzungen empfiehlt sich grundsätzlich die Befolgung dieser Maßnahmen:

  • Pausieren (P)
  • Kühlen (E = Eis)
  • Verbinden (C = Compression)
  •  Hochlagern (H)

Ist die Verletzung leicht, stellt sich durch das Befolgen der PECH-Regel relativ schnell eine Besserung ein. Verstärken sich die Schmerzen, kann das auf eine gravierendere Verletzung hinweisen, die von einem Arzt behandelt werden sollte.

Wirkung der PECH-Regel

Die Anwendung der PECH-Regel-Empfehlungen wirkt positiv auf die Genesung: Das Ruhigstellen des betroffenen Körperteils erreicht eine Reizminderung, das Kühlen wirkt abschwellend und schmerzlindernd. Die Kompression stabilisiert das betroffene Gelenk und wirkt wie die Pause reizmindernd. Das Hochlagern hat wie das Kühlen einen abschwellenden und schmerzlindernden Effekt.

Muskelzerrung – Muskelfaserriss – Muskelriss

Die Reihenfolge Muskelzerrung -> Muskelfaserriss -> Muskelriss bildet die Eskalationsstufen des gleichen Verletzungsprinzips ab. Wie unterscheiden sich diese Eskalationsstufen? Die leichteste Sportverletzung ist die Muskelzerrung, die in der Regel durch Befolgen der PECH-Regel behandelbar ist. Bei Muskelfaserrissen und Muskelrissen ist in jedem Fall ein Arztbesuch angezeigt.

Muskelzerrungen ereignen sich häufig völlig unerwartet, ganz typische Zerrungsursachen sind Umknicken, Ausrutschen oder hastige Bewegungen. Der beste Schutz vor Zerrungen ist das Aufwärmen vor dem Sport und ein moderates, der eigenen Leistung angemessenes Trainingslevel. Aufgewärmte Muskeln reagieren flexibler auf abrupte Bewegungen. Eine Überforderung während des Sports begünstigt Fehler im Bewegungsablauf oder Fehltritte. Von einer Muskelzerrung spricht man, wenn ein Muskel ruckartig (beispielsweise bei einer schnellen Rotationsbewegung oder einer sonstigen plötzlichen Bewegung) über sein normales Limit hinaus gedehnt wird. Die Folge: Der Muskel verhärtet sich, eventuell begleitet von krampfartigen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Die beste Therapie für eine einfache Zerrung ist die Anwendung der oben beschriebenen Grundregel, also pausieren, kühlen, verbinden und hochlegen, kurz gesagt: die Muskulatur einige Zeit lang zu schonen. Häufig reichen diese Maßnahmen schon, um die Symptome schnell wieder abklingen zu lassen.

Eine Muskelzerrung ist nicht zu verwechseln mit einer gravierenderen Verletzungsstufe, dem Muskelfaserriss. Von einem Muskelfaserriss spricht man, wenn ebenfalls aufgrund einer abrupten Bewegung einzelne Muskelfasern oder Muskelfaserbündel reißen. Ein Muskelfaserriss kann auch als Folge einer Muskelzerrung auftreten, wenn z. B. die Ruheregel nicht eingehalten und der Muskulatur keine ausreichende Pause gegönnt wurde.

Indizien für einen Muskelfaserriss können eine Schwellung, Dellen bzw. Lücken im betroffenen Muskelgewebe sein. Bei einem Muskelfaserriss ist unbedingt ein Arzt zu konsultieren. Grundsätzlich gilt: Je mehr Fasern reißen, desto schlimmer ist die Verletzung.

Der dritte und schwerste Verletzungsgrad ist der Muskelriss, wobei ein kompletter Muskel reißt. Das hat zur Folge, dass der betreffende Muskel nicht mehr kontrahiert werden kann. In diesem Fall ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Mithilfe bildgebender Diagnoseverfahren wie Ultraschall und MRT entscheidet der Arzt, welche weitergehenden Maßnahmen erforderlich sind, beispielsweise die komplette Ruhigstellung des Muskels durch einen starren Verband, eine Schiene oder einen Gips.

Muskelfaserrisse und Muskelrisse bedürfen immer einer ärztlichen Untersuchung und Behandlung. Denn nur ein Arzt kann feststellen, wie schwerwiegend die Verletzung ist. Falls ein längerer Zeitraum bis zum Arztbesuch oder bis zum Eintreffen des Arztes zu überbrücken ist, hilft als Erstmaßnahme die PECH-Regel.

Prellungen (Kontusionen)

Eine weitere typische Sportverletzung ist die Prellung, der medizinische Fachausdruck lautet Kontusion. Im Unterschied zu Zerrungen, die meist selbst verursacht sind und durch hastige, ungewohnte oder ruckartige Bewegungen, Überlastung oder unzureichendes Aufwärmen vor dem Sport entstehen, kommen Prellungen oft durch Einwirkungen von außen zustande.

Treten, Rempeln, der Zusammenstoß mit einem Mitspieler oder Fallen kommen in fast allen Mannschaftssportarten vor und können Schädigungen von Muskeln, Gelenken oder Knochen verursachen. Typischerweise beim Sport auftretende Prellungsformen betreffen die Schultern, die Knie oder das Sprunggelenk. Meist handelt es sich um eine Schädigung des Unterhautfettgewebes durch den plötzlichen Druck des Gewebes gegen die härteren Knochen. Dabei werden häufig Blutgefäße verletzt, was zu Blutergüssen (Hämatomen) führt, und es können Ödeme entstehen, also Gewebeschwellungen durch Einlagerung von Flüssigkeit. Symptome einer Prellung können daneben auch Schmerzen im verletzten Körperteil hervorrufen.

Prellungen gibt es allerdings nicht nur an Muskeln und Gewebe, sondern auch an Knochen und Gelenken. Von Knochenprellungen spricht man zum Beispiel bei einem Schlag auf das Schienbein, das nur von einer dünnen Hautschicht umgeben ist. Von einer Gelenksprellung ist die Rede, wenn etwa das Schultergelenk betroffen ist. Dabei kann es aufgrund von Hämatom- oder Ödembildung im Gelenk zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen kommen. Auch die Symptome einer Prellung lassen sich mit der PECH-Regel einfach behandeln. Bei Schmerzen hilft die Anwendung eines schmerzstillenden, kühlenden Gels. Treten jedoch Knochendeformierungen, zunehmende starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, ein sehr großer Bluterguss auf oder besteht der Verdacht eines Knochenbruches, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Verstauchungen (Distorsionen)

Verstauchungen passieren selten bei gleichförmigen Bewegungsabläufen wie Laufen, Wandern, Schwimmen oder Radfahren. Häufiger zieht man sich bei Ballsportarten mit spontanen Bewegungsabläufen wie beim Fußball, Volleyball, Hockey oder Squash eine Verstauchung zu. Eine angemessene Aufwärmphase vor dem Sport kann das Verstauchungsrisiko jedoch vermindern.

Der medizinische Fachbegriff für Verstauchung lautet Distorsion und bedeutet so viel wie Verdrehung. Dabei handelt es sich um die Verletzung einer Gelenkkapsel, einer Sehne oder eines Bandes durch starke Überdehnung – häufig sind Handgelenk, Fuß, Knie oder Sprunggelenk betroffen. Auch die Halswirbelsäule kann verstaucht sein, zum Beispiel bei einem Autounfall. Neben Schmerzen bei der Bewegung des betroffenen Körperteils können infolge einer Distorsion auch Blutergüsse auftreten.

In der Regel hilft bei einfachen Verstauchungen das Ruhigstellen und Kühlen der betroffenen Körperstelle. Häufige Verstauchungen können jedoch Gelenkinstabilitäten durch „ausgeleierte“ Bänder hervorrufen. Die Ursache dafür ist das wiederholte Anreißen und Zusammenwachsen der Bänder. Dadurch entstehen Narben auf den Bändern, ihre Flexibilität geht verloren und sie verlängern sich. Eine ständige Überdehnung kann ebenso zu Schädigungen der Bandansätze an den Gelenken führen, wodurch die Gelenke auf Dauer instabil werden und als mögliche Spätfolge Arthrose auftreten kann. Daher sollte eine Verstauchung nicht unbehandelt bleiben.

Wenn eine Verstauchung häufiger vorkommt, starke Schmerzen, Blutergüsse, Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen bestehen, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.